Projektpartnerschaft mit Legmoin (Burkina Faso)
Die Gemeinde Legmoin im westafrikanischen Burkina Faso umfasst 46 Dörfer, die auf einer Fläche von 400 km² verteilt sind. Rund 15.000 Menschen leben auf dem Territorium der Gemeinde im Südwesten des Landes, 650 Straßenkilometer von der Hauptstadt Ouagadougou entfernt, unweit der Grenze zu Ghana, und damit weitab von jeder Zivilisation und von jeder Infrastruktur: Die nächste größere Ansiedlung mit Anschluss an das Strom- und Straßennetz ist die Provinzhauptstadt Gaoua, ca. 55 km vom Hauptort Legmoin entfernt.
Die Bevölkerung steht in einem ständigen Überlebenskampf, immer in Abhängigkeit vom Eintreffen der kurzen Regenzeit, durch die in begrenztem Umfang Ackerbau betrieben werden kann. Trotz aller Verbesserungen durch eine allmählich wachsende gesundheitliche Betreuung besteht immer noch eine relativ hohe Kindersterblichkeit, und bedingt durch die Gefahr von Schlangenbissen und die ständige Infektion mit Malaria errechnet sich eine statistische Lebenserwartung von unter 50 Jahren.
Die Partnerstädte Grasse und Ingolstadt engagieren sich seit 2006 für die Errichtung von Trinkwasserbrunnen, dezentraler Photovoltaik und den Ausbau der Bildungsmöglichkeiten. Im Jahr 2013 wurde zur Untermauerung der gemeinsamen Ziele eine Projektpartnerschaft zwischen Legmoin, Grasse und Ingolstadt unterzeichnet, in der sich die beiden europäischen Städte zur nachhaltigen solidarischen Hilfestellung für die Gemeinde verpflichten.
Jugendbildungszentrum "CFJ" (2014-2017)
Im Jahr 2014 startete ein weiteres Projekt in der Gemeinde, mit Unterstützung durch das Programm NAKOPA (Nachhaltige Kommunalentwicklung durch Partnerschaftsprojekte) des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung: Im Hauptort Legmoin wurde ein Berufsbildungszentrum (Jugendbildungszentrum CFJ, Centre de Formation des Jeunes) neu gebaut und eingerichtet.
Frauen-Kunsthandwerkszentrum "MFF" (2018-2021)
Ein 2018 beantragtes neues Förderprojekt – wiederum mit Unterstützung durch NAKOPA – konnte Ende 2021 erfolgreich abgeschlossen werden: In unmittelbarer Nähe zum Jugendbildungszentrum CFJ wurde ein Frauen-Kunsthandwerkszentrum (MFF, Maison de la Formation des Femmes) errichtet, mit dem Ziel, eine Beschäftigungs- und Ausbildungsstätte vor allem für Witwen, ledige und/oder junge Mütter sowie verstoßene oder misshandelte Frauen zu schaffen. Angeschlossen sind Werkstätten, ein Verkaufsgeschäft und eine Kinderbetreuung.
Mit dem Zentrum steht den Mädchen und Frauen eine einzigartige Anlaufstelle zur Verfügung, an der spontane Hilfestellungen geleistet, aber auch mittel- und langfristig berufliche Perspektiven geschaffen werden können. Außerdem werden hier Vorträge, Workshops und Seminare, auch zu brisanten Themen, wie Frühehen, Schwangerschaftsverhütung oder Genitalverstümmelung, abgehalten. Damit leistet dieses Frauenbildungsprojekt einen wichtigen Beitrag zur Aufklärung und Allgemeinbildung und fördert nicht zuletzt das Selbstbewusstsein und die Bereitschaft zur Selbstbestimmung unter den traditionell benachteiligten Mädchen und Frauen.
Empfangs- und Unterbringungszentrum "CAR" (2023-2026)
Um künftig Synergieeffekte noch verstärkter nutzen zu können, wurde im August 2023 zwischen den beiden Zentren CFJ und MFF ein dritter Komplex im Rahmen von NAKOPA genehmigt, unter dem Titel Empfangs- und Unterbringungs-Zentrum CAR, Centre d’Accueil et Réfectoire.
Ende 2023 wurde das Gelände für den Bau vorbereitet und die ortsansässige Bevölkerung über das bevorstehende Projekt informiert. Mit der Fertigstellung des Schlafsaalblocks und der Installation einer Photovoltaikanlage im Jahr 2024 entstanden eine Übernachtungsmöglichkeit für Auszubildende und betreuende Personen mit großer Entfernung zum Wohnort.
Im Jahr 2025 wurden Duschen, Toiletten und ein Speisesaal gebaut. Außerdem ist ein Erste-Hilfe-Bereich zur medizinischen Erstversorgung integriert.
Zum Schuljahr 2025/2026 wurde das Empfangszentrum in Betrieb genommen, erfreut sich wie die beiden bestehenden Zentren großer Beliebtheit und ist sehr gut ausgelastet. In den Räumlichkeiten wurde außerdem bereits ein Workshop zum Themenbereich Familienplanung und Hygiene abgehalten, auch künftig sind weitere Veranstaltungen vorgesehen.
Mit Abschluss des Projekts Ende Juni 2026 verfügt die Gemeinde im zentral gelegenen Hauptort Legmoin über einen in dieser Form einzigartigen dreiteiligen Gebäudekomplex, der die bestehende Notlage – vor allem von Mädchen und jungen Frauen – aus der gesamten weiträumig verstreuten Bevölkerung der Gemeinde entscheidend lindern kann.