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Das hunderttürmige Ingolstadt

Geschichte und Zukunft der spätmittelalterlichen Stadtmauer

Ein neues Buch beleuchtet einen Abschnitt der Ingolstädter Geschichte: „Ad centum turres – Das hunderttürmige Ingolstadt“ von Gerd Treffer mit Beiträgen von Gerd Riedel, Oliver Lindauer, Matthias Schickel und Fotocollagen von Wolfgang Friedl befasst sich mit der Stadtmauer und ihren Türmen.

Zur Geschichte, zur Bedeutung und zur Zukunft der berühmten spätmittelalterlichen Stadtmauer lautet der Untertitel des Buches und dazu, so Oberbürgermeister Christian Lösel gebe es bislang keine Darstellung. „Das ist jetzt das erste Buch, mit dem man bildhaft zeigen kann, was für ein Kulturgut wir in Ingolstadt mit der Stadtmauer haben“, freute er sich bei der Übergabe des ersten Exemplars. Schließlich geht die Idee zu diesem Buch zurück auf das Geburtstagsgeschenk des Oberbürgermeisters an den Historischen Verein zu dessen 150-jährigem Bestehen: das 100-Türme-Projekt. Die Stadtmauer soll wieder in das Bewusstsein der Ingolstädter Bevölkerung rücken und ihr ursprüngliches Aussehen weitgehend wieder erhalten.

Als Ingolstadt um 1500 zu einem berühmten Universitätssitz geworden war, dachten sich in bester humanistischer Tradition die Professoren einen klangvollen Namen in lateinischer Sprache aus: sie fanden, Ingolstadt stünde der Beiname „ad centum turres“, die hunderttürmige Stadt gut an. Die fabulöse Stadtmauer, die es umziehe, sei eine „Bildmarke“, stelle ein Alleinstellungsmerkmal dar, das diese Stadt vor allen anderen Mitbewerberinnen um Aufmerksamkeit im Wettstreit der Europäischen Universitätsstädte auszeichnet.
Ingolstadt sei eben eine Stadt, die sich eine Stadtmauer von solcher Pracht leisten könne. Eine Stadtmauer war immer schon ein Hinweis auf Bedeutung. Sie umgibt Schützenswertes. Sie sorgt für Sicherheit. Sie signalisiert Wehrhaftigkeit. Sie dient aber auch als Kunst-Werk und Mittel der Darstellung.
Die Ingolstädter Mauer der ersten Stadterweiterung von 1363 bis 1430, erbaut nach neuesten fortifaktorischen Erkenntnissen – mit Rundtürmen – war ein Prachtstück. Gesichert wurde von der festen Stadt ein strategisch bedeutender Kreuzungspunkt großer Fernachsen, von Norden, der Ostsee her, hinunter über die Alpen einerseits und vom Westen, dem Land der Franken längs der Donau nach Osten zu den Ländern des Balkans. Diese Lage im Fadenkreuz bedeutsamer Handels- und Aufmarschwege hat die Stadt früh zu einem Dreh- und Angelpunkt der Landesverteidigung gemacht. Ingolstadts Verteidigungsfähigkeit ging daher nicht allein nur die Stadt an – sie war wichtig für das ganze Land, ein landesherrliches Anliegen, eine „Staatsaufgabe“. Das Buch schildert, wie sich die einander folgenden Landesherrn für den Ingolstädter Mauerbau einsetzten.
Dabei gilt, dass die Festungsbaukunst am Übergang vom hochmittelalterlichen Wehrbau zum frühneuzeitlichen Festungsbau eine nahezu revolutionäre Umwandlung erfuhr, die gerade an der Ingolstädter Stadtumwallung nachvollziehbar ist.

Das Buch greift eine Reihe von Fragen auf, die vielfach allgemein nicht bekannt sind: Etwa, wer am Stein einen Zirkel ansetzt und einen Kreis zieht, wird feststellen, dass die Kreislinie durch die vier Eckpunkte der Stadtmauer geht – oder: in Chroniken heißt es: der Herzog, der die Stadt erweitern wollte, sei in einem großen Kreis um die Stadt geritten- das hat aber nichts mit der reiterlichen Ausdauer des Landesherrn zu tun – der Umritt hatte vielmehr rechtliche, quasi notarielle Bedeutung. Oder: zur Bauweise – da wurde nicht ein Turm gebaut, dann die Mauer dazwischen, sondern es wurden erst zwei Türme gebaut, dann die Mauer zwischen ihnen eingezogen, was Folgen hatte. Das Buch legt dar, dass die Schießscharten und Zinnen militärisch sinnfrei waren und erklärt, warum die Donau heute an Ingolstadt heranreicht, obwohl sie eigentlich ganz woanders verlaufen wollte, wie die Waffentechnik die Mauer verwundbar macht und was man dagegen unternahm. Es fragt, ob dem Leser schon aufgefallen ist, dass bei der allerersten Stadtmauer der Herzogskasten eine Flanke deckte, bei der neuen Stadtmauer das Neue Schloß einen Eckpunkt bildet – und warum dem so war.
Die Beiträge der Co-Autoren zeigen, wie die Stadtmauer erforscht wurde und was die bauhistorische Forschung zu Tage gefördert hat (Gerd Riedel und Oliver Lindauer) und erklärten (Matthias Schickel), warum die Stadtmauer heute wieder in den Fokus der Aufmerksamkeit gerückt ist.

Beim 150. Geburtstag des Historischen Vereins hat Oberbürgermeister Christian Lösel das gemeinsame Projekt vorgeschlagen, die Stadtmauer und ihre Türme nicht nur wieder stärker im Bewusstsein der Bürgerschaft zu verankern, sondern sie auch weiter zu erforschen und ein Programm aufzulegen, sie baulich wieder in den Vordergrund zu stellen.

Zehn Fotocollagen Stadtmauerpartien und Dokumente ihrer Geschichte ergänzen die zehn Kapitel des Hauptteils.
Das Buch ist zum Preis von 19,90 Euro im Buchhandel und in der Tourist Information erhältlich.

25.06.2018