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Bodenschutz und Altlasten in Ingolstadt

Umwelt - Boden
Potentielle Gefahren für Boden und Grundwasser, mögliche Folgenutzungen und die menschliche Gesundheit gehen von den so genannten „Altlasten“ aus.

Unter dem Begriff „Altlasten“ werden Altablagerungen und Altstandorte verstanden, von denen nachgewiesenermaßen eine Gefahr für die öffentliche Sicherheit und Ordnung ausgeht bzw. ausgehen kann.
Unter „Altablagerungen“ versteht man nach dem Gesetz zum Schutz des Bodens vom 17. 03. 1998 stillgelegte Abfallbeseitigungsanlagen sowie sonstige Grundstücke, auf denen Abfälle behandelt, gelagert oder abgelagert worden sind.
„Altstandorte“ sind Grundstücke stillgelegter Anlagen und sonstige Grundstücke, auf denen mit umweltgefährdenden Stoffen umgegangen worden ist, ausgenommen Anlagen, deren Stilllegung einer Genehmigung nach dem Atomgesetz bedarf.
„Rüstungsaltlasten“ sind Altstandorte und Altablagerungen, von denen durch rüstungsspezifische Stoffe eine allgemeine Gefährdung für das Wohl der Öffentlichkeit ausgeht. Besonders durch die Charakteristik der potentiellen Schadstoffe können sie sich stark von zivilen bzw. sonstigen militärischen Altlasten unterscheiden und verdienen deshalb ein besonderes Augenmerk.
„Altlastenverdächtige Flächen“ im Sinne des Gesetzes zum Schutz des Bodens sind Altablagerungen und Altstandorte, bei denen der Verdacht schädlicher Bodenveränderungen oder sonstiger Gefahren für den Einzelnen oder die Allgemeinheit besteht.

Gesetzliche Grundlagen 
  Für die Behandlung von Altlasten sind folgende Gesetze maßgebend:

  • Gesetz zum Schutz des Bodens (Bundes-Bodenschutzgesetz)
  • Gesetz zur Umsetzung des Gesetzes zum Schutz des Bodens in Bayern (Bayerisches Bodenschutzgesetz)
  • Wasserhaushaltsgesetz
  • Bayerisches Wassergesetz

 
Die Bundes-Bodenschutz- und Altlastenverordnung gibt für die Wirkungspfade

  • Boden-Mensch
  • Boden-Nutzpflanze und
  • Boden-Grundwasser


Prüfwerte für Schadstoffkonzentrationen vor, unterhalb derer der Verdacht einer schädlichen Bodenveränderung oder einer Altlast ausgeräumt ist. Wird eine Überschreitung der Prüfwerte festgestellt, ist zu ermitteln, ob die Schadstoffkonzentration im Sickerwasser den Prüfwert übersteigt. Ein wesentliches Kriterium zur Bewertung ist eine Abschätzung, inwieweit zu erwarten ist, dass Schadstoffkonzentrationen im Sickerwasser im Bereich des Übergangs von der ungesättigten in die gesättigte Zone den Prüfwert überschreiten.
Da die Bundes-Bodenschutz- und Altlastenverordnung nicht zu allen gewöhnlicher weise vorkommenden Schadstoffen Prüfwerte vorgibt, wird zur Beurteilung von Altlastenverdachtsflächen ersatzweise das sog. LfW-Merkblatt herangezogen. Das Bundes-Bodenschutzgesetz regelt auch die Sanierung von Gewässern, sofern die Verunreinigungen durch schädliche Bodenveränderungen oder Altlasten eingetreten sind. Überschneidungen gibt es zwischen dem Bodenschutzrecht und dem Wasserhaushaltsgesetz. Gegenstand der Sanierungspflicht im Hinblick auf Schadstoffe sind neben schädlichen Bodenveränderungen oder Altlasten auch hierdurch verursachte Gewässerverunreinigungen. Die Anforderungen an die Sanierung von Gewässern bestimmen sich hingegen nach dem Wasserrecht.  
 

Boden- und Grundwassersanierungen anhand ausgewählter Beispiele:

Vierheilig-Gelände  
 

Foto: Vierheilig-GeländeDas Vierheilig-Gelände stellt einen der größten LHKW-Schadensfälle in Bayern dar. Die Nutzungsgeschichte des Geländes durch eine chemische Reinigung beginnt im Jahre 1896, als Karl Vierheilig ein Haus mit „Dekantier- und Wäschereiwerkstätte“ errichtet. Nach ständigen Erweiterungen wird im Jahre 1938 die erste mit dem Tetrachlorethen betriebene Reinigungsmaschine aufgestellt. Im Jahre 1974 erfolgt die Einstellung des Betriebes und der Kauf des Geländes durch die Stadt Ingolstadt.  

Im Jahre 1978 ersucht das städtische Hochbauamt um Genehmigung für den Abbruch der Gebäude. Das Gelände wird baureif gemacht. Am 11.03.1981 Foto: Vierheilig-Geländenehmen Beschäftigte einer Baufirma im Zuge der Aushubarbeiten für die Errichtung einer Kinderkrippe einen eigenartigen Geruch wahr. Ihre Gummistiefel und die bei den Arbeiten verwendeten Gummischläuche zeigen Auflösungserscheinungen. Erste Untersuchungen ergeben erhebliche Tetrachlorethen-Kontaminationen im Grundwasser und im Boden. Das Stadtplanungsamt versucht deutschlandweit Firmen zu finden, die im Stande sind, die Sanierung des LHKW-Schadens durchzuführen. In einer Zeit, als LHKW-Verunreinigungen noch kaum ernst genommen werden und keine Erfahrung über Sanierungsmaßnahmen vorliegen, ist man auf ein pragmatisches, improvisierendes Vorgehen angewiesen. Vom 06.05.1981 bis zum 30.03.1982 erfolgt eine erste Sanierungsmaßnahme. Aus einem Schacht wird Grundwasser zu Tage gefördert und über eine Absetzanlage in den Kanal gepumpt.

 

 

Umwelt - Vierheilig 3Am 08.12.1982 beschließt der Stadtrat, einem zwischen der Firma Vierheilig und der Stadtverwaltung ausgehandelten Vergleich zuzustimmen. Er sieht die Abgeltung der entstandenen Kosten von 72.000,-- DM durch die Firma Vierheilig vor. Die Neue Heimat, ein gewerkschaftseigener Baukonzern und die Gemeinnützige Wohnungsbaugesellschaft unternehmen einen neuen Anlauf zur Bebauung des Geländes. Auf Drängen des Stadtplanungsamtes beprobt das Wasserwirtschaftsamt das Gelände ein weiteres mal und entdeckt am 11.09.1984 erneut hohe Tetrachlorethen-Kontaminationen. 

Nach dem klar geworden ist, dass der Schaden bisher nicht behoben ist, wird nach umfangreichen Vorarbeiten am 28.07.1986 eine Bodenluft- und Umwelt - Vierheilig 4Grundwassersanierung in Betrieb genommen. Der Gutachter geht von einer Sanierungsdauer von 6 Monaten aus. Die Grundwassersanierung erstreckt sich nur auf das 1. Grundwasserstockwerk, die Bodenluftsanierung erfolgt zunächst über 4, ab 28.10.1986 über 7 Bodenluftabsaugpegel, deren Austragsfrachten durch 4 Lufteinpresslanzen optimiert werden. Weitere Untersuchungen über die Ausdehnung des Schadens zeigen, dass auch die östlich gelegenen Grundstücke „Gerbergasse 4“ und „Griesbadgasse 9“ erheblich mit leichtflüchtigen Halogenkohlenwasserstoffen kontaminiert sind. Weitere sanierungsbegleitende Untersuchungen zeigen Tetrachlorethen-Verunreinigungen, die bis in das 5. Grundwasserstockwerk reichen.
Es zeichnet sich ab, dass die bestehende Sanierungsanlage zur Abreinigung des Geländes völlig unzureichend ist und erheblich erweitert werden muss. Der Betrieb der Bodenluftabsauganlage wird am 11. 11. 1992 nach einem Austrag von 1.892 kg, der Betrieb der Grundwassersanierungsanlage am 24. 11. 1992 nach einer Austrag von 1.107 kg Tetrachlorethen eingestellt. Die erste Sanierungsphase, in der die Firmen bereits auf die anhand vorhergehender Arbeiten gewonnenen Erfahrungen zurückgreifen können, erbringt einen Austrag von insgesamt 3.000 kg Tetrachlorethen.  

Parallel zum auslaufenden Betrieb der ersten Sanierungsanlage beginnen am 06. 11. 1991 die Geländearbeiten zur Einrichtung der erweiterten Sanierungsanlage, die sich bis Mitte des Jahres 1993 hinziehen.
Unter Regie des neu gegründeten Umweltreferates, das auf die Erfahrungen des Stadtplanungsamtes aufbauen kann, geht die Sanierungsanlage am 07. 06. 1993 in Betrieb. Sie stellt den Stand der „In-Situ-Sanierungstechnik“ dar. Die Abreinigung der Bodenluft geschieht über 11 Bodenluftabsaugpegel, die des Grundwassers über 5 Sanierungsbrunnen. 3 Brunnen erschließen das erste, einer das zweite und einer das dritte Grundwasserstockwerk. Die Sanierungsanlage ist in drei LKW-Containern untergebracht. Die kontaminierte Bodenluft wird hier zusammengeführt, über Wasserabscheider getrocknet und verlässt die Anlage nach Durchströmen eines Aktivkohlefilters im gereinigten Zustand. Um eine Emission LHKW-kontaminierter Abluft völlig auszuschließen, passiert die gereinigte Luft zusätzlich einen Polizeifilter und wird über eine Rohrleitung an der Spitze des Brunnhausturms in die Umgebung abgegeben.
Umwelt - Vierheilig 5Aus den einzelnen Grundwasserpegeln wird das Wasser zur Sanierungsanlage geführt und in einer zweistufigen Strippkolonne verrieselt. Im Gegenstrom wird Luft durch die Stripptürme gefördert, so dass die leichtflüchtigen Halogenkohlenwasserstoffe aufgrund ihres hohen Dampfdrucks aus dem Wasser ausgasen. Die LHKW-beladene Luft durchströmt einen Aktivkohlefilter, den Polizeifilter und verlässt die Anlage im gereinigten Zustand. Die hohe LHKW-Fracht macht den Einsatz einer automatisch arbeitenden Desorptionsanlage rentabel. Einer der beiden zur Verfügung stehenden Aktivkohlefilter läuft im Adsorptionsbetrieb, während der andere mit Heißdampf desorbiert wird. Ein häufiges Austauschen der Aktivkohlefässer entfällt somit. Das gereinigte Grundwasser wird von dem städt. Kanalsystem aufgenommen.
Der Betrieb der Anlage verläuft äußerst erfolgreich. Eine wichtige Komponente des Erfolges ist eine Datenfernübertragung, mit deren Hilfe die Firma Defekte erkennen und sofort darauf reagieren kann. Erste Überlegungen, das Gelände zu bebauen, werden Beginn des Jahres 1996 angestellt. Die Bebaubarkeit unter Berücksichtigung der Standortverhältnisse ist Gegenstand einer gutachterlichen Prüfung, die am 04. 03. 1996 vorgelegt wird. Eine Bebauung, die bis in eine Tiefe von 1,5 m reicht, erscheint prinzipiell möglich, sofern sich diese auf einen 12 m breiten Grundstücksstreifen an der Nordseite des Geländes beschränkt. Am 08. 02. 1996 wird die Sanierung des zweiten Grundwasserstockwerkes mit einem zusätzlichen Sanierungsbrunnen und des dritten Grundwasserstockwerkes mit zwei zusätzlichen Sanierungsbrunnen intensiviert. Auch die Abreinigung der wasserungesättigten Bodenzone schreitet voran, so dass zunächst aus Rentabilitätsgründen im Februar 1997 die automatische Aktivkohledesorptionsanlage gegen zwei in Reihe geschaltete Aktivkohlefilter ausgetauscht werden kann. Im August 1998 wird die gesamte Bodenluftabsaugung auf Intervallbetrieb umgestellt. Zum einen zeigen die abnehmenden Austragsraten nur noch ein geringes LHKW-Austragspotential, zum anderen können an der nächstgelegenen Wohnbebauung die Immissionsrichtwerte (Lärmgrenzwerte) nicht mehr eingehalten werden. Die Absaugung wird in der Nachtzeit von 22:00 bis 07:00 Uhr mittels einer Zeitschaltuhr unterbrochen. Die Anlagentechnik erweist sich aufgrund ihrer Betriebsdauer von nunmehr 7 Jahren als anfällig. Durch den Betrieb der Anlage kann ein LHKW-Austrag von 4.536 kg realisiert werden.
Im Zuge der Baureifmachung des nördlichen Vierheiliggeländes werden im Juni 2000 die zehn hier installierten Bodenluftabsaugpegel gezogen. In reduziertem Umfang wird die Sanierungsanlage im August 2000 wieder in Betrieb genommen. Die Sanierungseinrichtungen finden seitdem in einer gut schallgedämmten Doppelgarage Platz. Die Bodenluftabsaugung besteht nur noch aus 3 Pegeln, wo hingegen die Grundwassersanierung noch alle 8 Pegel umfasst. 

Das Gießerei-Gelände: Recycling einer Industriefläche   

Foto: Gießerei-GeländeVom Oktober 1997 bis Oktober 1998 wurden die Betriebsgebäude der Gießerei „Schubert & Salzer“ abgebrochen und in Teilbereichen des Grundstückes eine Bodensanierung vorgenommen. Es handelt sich dabei um ein Gelände, das fast 110 Jahre lang industriell genutzt wurde. Die Bayerische Geschützgießerei und Geschossfabrik nahm die Produktion von Gussteilen im Jahre 1885 auf. Den letzten Abguss hat die Firma Schubert & Salzer im Jahre 1995 vorgenommen.

Vor dem Beginn des Abbruches von Industriegebäuden ist sowohl für den Auftraggeber aus wirtschaftlichen Gründen als auch für die Behörde aus umweltfachlichen Gründen die Schadstoffsituation im Untergrund und die zu erwartende Menge kontaminierter Bausubstanz von höchstem Interesse. Es wurden daher vor Beginn der Abbruchmaßnahme drei verschiedene Gutachten erstellt:

  1. Deskriptorische Raumanalyse eines Industriestandortes der Stadt Ingolstadt vom 07.11.1991, LUBAG GmbH, Regensburg, Auftraggeber: Stadt Ingolstadt, Umweltamt
    Das Gutachten zeigt ausschließlich Altlastenverdachtsflächen auf, an denen aufgrund ihrer Nutzung ein Eintrag von wassergefährdenden Stoffen wahrscheinlich ist. Als mögliche Schadstoffeintragstellen wurden z. B. Fasslager, ein Schrottplatz, Tanks mit Betriebsstoffen, Kanäle aber auch verfüllte Bombentrichter und sonstige Verfüllungen lokalisiert und beschrieben.
  2. Altlastenuntersuchungen auf dem Betriebsgrundstück der Firma Schubert & Salzer in Ingolstadt, Erstuntersuchungsbericht vom 10.07.1992, Gefährdungsabschätzung vom 23.10.1992, Dr. Blasy – Dr. Busse GmbH, Auftraggeber: Deutsche Baumanagement GmbH (DIL), Düsseldorf
    Das Gutachten beschreibt Erkenntnisse, die anhand von 50 Rammkernsondierungen und eines Grundwasserpegels gewonnen wurden. Es zeigten sich keine großflächigen, sondern nur punktuelle Verunreinigungen. An einigen Stellen traten Schwermetalle, PAK´s (polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe) und aromatische Lösemittel auf. Zur Eingrenzung der verunreinigten Bereiche wurde ein Ergänzungsgutachten in Auftrag gegeben. Anfang des Jahres 1993 erfolgte unmittelbar östlich der Lackiererei eine Sanierung der Bodenluft mit einer Bodenluftabsauganlage. Nach 6 Wochen Betrieb war das Sanierungsziel erreicht; die Sanierungsanlagen wurden abgebaut.
  3. Gutachten „Altlastenuntersuchungen im Quartier Dallwigk Ingolstadt“, Mai 1996
    Auftraggeber: Commerz Baumanagement GmbH
    Das Gutachten beschäftigt sich mit der Eindringtiefe von Schadstoffen in die Bausubstanz, der Schadstoffsituation im Untergrund und im Grundwasser. An etwa 100 Stellen wurden Bohrungen in das Erdreich angesetzt. Während der Sondierarbeiten stellte sich heraus, dass unterhalb der Kellersohlen große Betonfundamente, Gewölbe und Tiefkeller von alten Gebäuden in unbekannter Größe und ohne Zugangsmöglichkeiten bestehen. Die Belastungen im Bodenbereich halten sich in Grenzen. Aufgrund der vorgefundenen Verunreinigungen kann Aushubmaterial vom Bereich zwischen der südlichen Grenze der Bebauung und der Stützmauer zur Schlosslände und vom Bereich der im Osten des Geländes angelegten „werksinternen Fahrstraße“ nicht auf Bauschuttdeponien entsorgt werden.
    Vor Beginn der Abbruchmaßnahme ist eine Entfernung kontaminierter Bauteile aus den Gebäuden erforderlich.
    Hauptsächlich handelt es sich um die Erfassung schadstoffhaltiger Stäube im Bereich der Formanlagen und Schmelzbetriebes, asbesthaltige Dach- und Fassadeneindeckungen, weitere asbesthaltige Bauteile wie z. B. Dichtungen im Kesselhaus, PAK-haltige Dachpappen, Behälter mit basischen Waschwäschern und alkalischen Schlämmen.   

Abbruch der Gebäude
Foto: Abbruch des Gießerei-Geländes
Die Maßnahme bezieht sich auf den Abbruch von Gebäuden mit einem Brutto-Rauminhalt von etwa 300.000 m³. Die höheren Gebäude weisen eine Höhe von 15 m auf. Der Abriss beginnt in der Regel zunächst mit dem Abgreifen der Gebäudeteile oberhalb einer Höhe von 10 m mit Hilfe eines Seilbaggers und anschließend einer Forstsetzung des Abbruches mit Hydraulikbaggern. Am 19.12.1997, 11:59 Uhr wird der Kamin gesprengt.

Sanierung kontaminierter Bereiche

Teerbecken im Bereich der Kastenlosen Formanlage, Halle 22
Aus den vorliegenden Gutachten geht die Lage verschiedener Teerbecken hervor. Die Bereiche werden mit besonderer Sorgfalt abgegraben und die Becken dabei auch lokalisiert. Sie enthalten keine Teerreste, nur geringe Anhaftungen. Es genügt, diese mit stark belastetem Bodenmaterial zur Bodenwäsche zu bringen.
Unterhalb der Halle 22 wurde allerdings ein bis dahin unbekanntes Teerbecken entdeckt und ausgehoben. Der Aushub wurde so lange fortgesetzt, bis kein organoleptisch auffälliger Boden mehr angetroffen wurde. Der teerhaltige Bodenaushub wurde abgedeckt in einer der überdachten Lagerboxen bis zur Vorlage des genehmigten Entsorgungsnachweises für die Bodenwäsche vorgehalten.

Kontaminierte Auffüllung südlich des Kavalier Dallwigk, Halle 28
Die vor dem Abbruch erstellten Gutachten weisen auf eine Kontamination in diesem Bereich hin. Leitparameter sind PAK und Blei. Die Sanierung erfolgt durch Abgrabung, Aufhaldung, Mischbeprobung und Entsorgung.  

Umwelt - Schubsa 3Verfüllter Festungsgraben unterhalb der ehemaligen Instandhaltung, Halle 51
Schon bei vorangegangenen Untersuchungen stellte sich der Bereich als PAK-kontaminiert heraus. Die Belastung kann durch die Verfüllung des hier verlaufenden ehemaligen Festungsgrabens verursacht worden sein.  

Verfüllungen im Bereich des ehemaligen Betriebsparkplatzes
Eine Überraschung tritt nach Aufnehmen der Asphaltschicht des ehemaligen Betriebsparkplatzes der Firma Schubert & Salzer zu Tage. Nach Abtrag der Umwelt - Schubsa 4unbelasteten Tragschicht aus Kies wird ersichtlich, dass der gesamte Parkplatz mit Gießereisanden, Bauschutt und verglasten Schlacken bis zu einer 2,5 m Mächtigkeit aufgefüllt war. Eine Einsicht in historische Pläne führt zu dem Ergebnis, dass hier der Festungsgraben der Fronte Raglovic verlief. Mitte der 20er Jahre ist die Festungsanlage geschleift und der Graben unter anderem mit Gießereialtsanden und Schlacken verfüllt worden.
Die Schicht wird abgezogen, aufgehaldet und abgesiebt. Die Feinfraktion besteht aus Gießereialtsanden und weist Belastungen von 25 mg/kg PAK auf. Die Grobfraktion ist nur geringfügig mit 0,5 mg/kg PAK belastet.
Die Verwertung geringbelasteten Bodenmaterials geschieht primär durch Verfüllung örtlicher Kiesgruben. Stärker belastetes Material gelangt auf eine ehemalige Deponie zur Nutzbarmachung durch ein Gewerbegebiet. Stark PAK-kontaminiertes Aushubmaterial gelangt zu einer mechanischen Aufbereitungsanlage. Gleiches geschieht mit dem Auffüllungsmaterial unterhalb der Parkplätze, das im wesentlichen aus Gießereialtsanden besteht.
Die Grobbestandteile werden nach der Absiebung der Drainageschicht auf die Deponie Nordwest (München) gebracht. Sehr stark kontaminiertes Material aus den Bereichen des Teerbeckens und des Dieseltanks gelangt zu einer örtlichen Bodenwaschanlage und wird dort behandelt.  

Unterirdische Heizölbehälter nördlich des WasserturmsUmwelt - Schubsa 5
Bei den Rückbaumaßnahmen der Keller der Handformerei (Halle 24 b) in Richtung Osten werden zwei Erdtanks mit einem Fassungsvermögen von 70.000 l entdeckt. Da die Leitungen und Betriebsanlagen offensichtlich schon früher entfernt worden waren, weist äußerlich nichts auf die Tanks hin; daher waren sie anscheinend auch dem Gutachter verborgen geblieben.
Die beiden doppelwandigen Tanks präsentieren sich allerdings fachgerecht gereinigt und augenscheinlich unbeschädigt. Im Bereich der Domschächte werden Verunreinigungen mit Heizöl angetroffen, die großzügig abgetragen wurden. 

 

Fort Haslang   

Umwelt - Haslang 1Anlass für die Untersuchung des ehemaligen Fort Haslang war ein Sprengstofffund am 10. 08. 1998. Beim Aushub einer Baugrube an der Zuccallistraße 17 stieß eine Baufirma auf nicht detonierte Sprengladungen. Nachdem die Firma Röhll, die mit der Bergung der Sprengladung beauftragt wurde, von Sprengstofffunden aus den Jahren 1988 und 1991 berichtete, muss das Umweltamt von weiteren nicht entdeckten Sprengstoffresten ausgehen.  Umwelt - Haslang 2

Eine historische Recherche führt zu dem Ergebnis, dass im Vorfeld von Fort Haslang unterirdische Minengänge angelegt wurden. Im Jahre 1946 sprengte die US-Armee das Fort samt Gängen, wobei nur ein Teil der Sprengladungen zur Detonation kam. Aus Geheimhaltungsgründen fehlen Pläne über den Verlauf der Gänge.
Die Stadt beauftragt am 20. 08. 1999 die Firma IABG, Ottobrunn mit der Phase 1 der Gesamtmaßnahme, der Ortung und Öffnung von Minengängen in einem 5.000 m² großen Testgebiet zwischen der Stettheimer- und der Cusanusstraße. Hierbei kristallisiert sich die Geoelektrik als geeignete Ortungsmethode heraus. Gleich zu Beginn der Maßnahme werden am 12. 10. 1999 439 TNT-Stangen amerikanischer Herkunft von insgesamt 220 kg Gesamtgewicht, eine Sprengkapsel mit Zündschnur sowie 40 kg loser TNT-Sprengstoff in Metall- und Pappbehältern gefunden. 

Umwelt - Haslang 3Phase 2 des Gesamtauftrages umfasst die Ortung und Öffnung von Minengängen, gegebenenfalls die Bergung und Entsorgung von Sprengstoffen im restlichen nicht bebauten Bereich von Fort Haslang. Am 16. 11. 1999 bergen Mitarbeiter der Firma Röhll eine Zentral-Zerlegeladung für Nebelgranaten mit TNT-Pikrin-Mischfüllung und 700 kg Pikrinsäure in Form von „quittegelben Stangen“.  

Im weiteren Verlauf der Arbeiten werden am 19. 11. 1999 300 kg, am 22. 11. 1999 200 kg, am 23. 11. 1999 250 kg und am 24. 11. 1999 83 kg Pikrinsäure geborgen und entsorgt. Außerdem treten am 24. 11. 1999 67 kg Sprengladungen für 10 cm Panzergranaten (sogenannte Sprengstoffpresslinge) mit einem Gemisch aus Nitropenta und TNT zu Tage.  Umwelt - Haslang 4
 

Umwelt - Haslang 5Die aluminiumummantelten, kegelförmigen Sprengladungen waren für eine Explosion nach dem Durchschlagen der Granate durch die Außenhaut von Panzern vorgesehen. An Sprengladungen gleichen Typs werden am 25. 11. 1999 weitere 150 kg, am 26. 11. wiederum 150 kg, am 03. 12. 104 kg, am 07. 12. 60 kg und am 14. 12. 3 kg geborgen. Parallel zu der Entsorgung von Sprengstoffen erfolgt eine Beprobung des Bodens im Bereich der Fundstellen. Dabei werden 20 m³ hochgradig sprengstoffbelasteten Bodens ausgegraben.  

Technisch besonders anspruchsvoll ist die Phase 3 des Gesamtauftrages, die die Arbeiten im bebauten Bereich umfasst. Auf frei zugänglichen Flächen können die Minengänge mit Hilfe eines 20-Tonnen-Baggers geöffnet werden. Ansonsten ist die exakte Lage der Gänge nur mit Hilfe eines Handbohrgerätes zu ermitteln. Die Öffnung erfolgt mit Hilfe eines Schneckenbohrgerätes, die Suche nach Sprengstoffen mit Hilfe einer durch die Bohrlöcher eingebrachten Videokamera. Auf der bebauten Fläche des ehemaligen Fort Haslang konnten keine Kampfmittelreste gefunden werden.

Umwelt - Haslang 6Zusammenfassend bleibt festzustellen, dass Restrisiken einer spontanen Detonation, die vor allem bei Schlägen im Zusammenhang mit Baumaßnahmen bestanden hat, nach menschlichem Ermessen vollständig ausgeräumt sind. Die Beprobung von einem Grundwasserzustrom- und drei Grundwasserabstrompegeln hat keine sprengstoffspezifischen Kontaminationen im Grundwasser ergeben.
Auch Gesundheitsgefährdungen sind nun ausgeschlossen, die bei dem allerdings äußerst unwahrscheinlichen Hautkontakt durch spielende Kinder oder historisch Interessierte beim Begehen der Minengänge denkbar gewesen wären.
Die Ergebnisberichte über die einzelnen Phasen der Gesamtmaßnahme liegen inzwischen vor. Die Arbeiten zur Untersuchung der Fläche auf Hohlräume, zum Öffnen der Minengänge, zum Bergen und Entsorgen von Sprengladungen und sprengstoffkontaminierten Erdreiches haben Kosten von 500.000,– € verursacht. 
 

 

 

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